
Stefanjia Ukrainian Food
Innenarchitektur, Branding
Stefanjia Ukrainian Food ist ein 170 Quadratmeter großes Restaurantkonzept, entwickelt für einen ukrainischen Restaurantbetreiber im historischen Zentrum von Bydgoszcz, 2022 über eine Empfehlung beauftragt, in einer Phase, in der drei Ukraine-bezogene Projekte gleichzeitig im Studio eintrafen — ein Spiegelbild des kulturellen Kontexts des Ukraine-Krieges und der bedeutenden ukrainischen Gemeinschaft, die sich zu jener Zeit in Polen etablierte. Das Konzept nutzt ein historisches Gebäude mit preußischer Mauerwerksbauweise im Altstadtzentrum von Bydgoszcz, dessen lang gestreckter, schmaler Gewerbegrundriss von freiliegenden roten Ziegelwänden, sichtbarer Holzkonstruktion und dem baulichen Charakter eines Innenraums aus dem neunzehnten Jahrhundert geprägt ist. Der Entwurf versucht nicht, diesen Charakter zu neutralisieren, sondern verstärkt ihn mit einem ukrainischen Volkskunst-Dekorprogramm, das den unbehandelten historischen Raum in ein kulturelles Statement verwandelt.
Die Entwurfsphilosophie versteht das Restaurant als einen Ort der Rückkehr zum Ursprung — zu den natürlichen Zutaten, ländlichen Traditionen und handgefertigten Objekten, die das ukrainische Landleben prägen. Das Konzept verläuft auf zwei Ebenen: Die vorhandene historische Bausubstanz (freiliegendes Ziegelmauerwerk und sichtbare Holzbalken) bildet einen rohen, strukturierten, authentizitätsstiftenden Hintergrund, während die gestaltete Tischlerebene — handbemalte Blumenpaneele, geflochtene Elemente, Porzellan und vintage-inspiriertes Mobiliar — dem Raum eine erkennbare ukrainische Identität verleiht. Warme, gedämpfte Beleuchtung verstärkt die Materialtextur und hält das gastronomische Erlebnis intim und immersiv. Der Entwurfsprozess untersuchte zwei unterschiedliche Farbrichtungen in parallelen Visualisierungsvarianten: eine Rosa-Blau-Palette für weiche Pastellkontraste mit Volkskunst-Details und eine Gelb-Blau-Palette, die die ukrainischen Nationalfarben mit stärkerer Akzentbetonung aufgreift.
Der Bauumfang umfasst den vollständigen Ausbau des Gastraumbereichs auf den 170 Quadratmetern — Speisesaal, Barbereich und zugehörige Nebenräume —, wobei die Küchentechnik als separates Fachpaket koordiniert wird. Das historische Gebäude in preußischer Mauerwerksbauweise erforderte keinen strukturellen Eingriff; die Entwurfsstrategie arbeitet vollständig innerhalb und im Einklang mit der bestehenden Bausubstanz.

Die Bartheke am hinteren Ende des Restaurants fungiert als fokaler Endpunkt der axialen Anlage — der optische Zielpunkt, der den Blick vom Eingang über die gesamte Länge des Gastraums führt. Ihre Arbeitsplatte aus Edelstahl, der dunkelblaue Laminatkorpus, die Volkskunst-Kassettenpaneel-Front und das ovale Glasregal darüber machen den Servicebereich zum am stärksten ausgearbeiteten Element des Innenraums. Die nahezu symmetrische Schnittkomposition der von Sitznischen flankierten Bar veranschaulicht die räumliche Logik des lang gestreckten schmalen Grundrisses: Sitznischen verlaufen entlang beider Seiten des Gastraums und laufen an der Bar als gemeinsamem Ziel zusammen.





Das zentrale Gestaltungselement ist das handbemalte Volkskunst-Paneelsystem aus MDF. Ausgeführt in einem weichen pastellhimmelblauen Hintergrund mit lackierten Rahmen in Altrosa, trägt jedes Paneel handbemalte Sonnenblumen-, Hahn- und Blumenmotive aus der Tradition der ukrainischen Volkskunst. Die Paneele erscheinen als Rückwände der Sitznischen, als Front der Bartheke und als Hintergrund des Barregals — ein sich wiederholendes dekoratives Feld, das dem Restaurant seine visuelle Identität verleiht und dabei die Konsistenz eines gestalteten Systems bewahrt statt der Uneinheitlichkeit authentischer Volkskunstartefakte. Ein salbeigrüner Polsterstoff bedeckt die Sitzbänke der Nischen, seine Farbe steht im Dialog mit den blauen Paneelen.






Kulturelle Identitätsschichten sammeln sich im gesamten Restaurant über das bemalte Paneelsystem hinaus an. Geflochtene Korbscheiben-Installationen und Sammlungen ukrainischer Volkskunst-Keramikteller sind in gewölbten Nischen innerhalb der weiß getünchten Ziegelwand angebracht, während eine dunkle petrolfarbene Steinakzentwand einen dunkleren Hintergrund für ähnliche Objektpräsentationen weiter hinten im Gastraum bietet. Geflochtene Korbpendelleuchten hängen in regelmäßigen Abständen entlang der Länge des Gastraums von der Holzbalkendecke, wobei ihre organischen Flechtformen die Handwerkstradition des Volkskunstprogramms mit der Deckenebene darüber verbinden. Die Kombination aus freiliegendem Ziegelmauerwerk, Holzkonstruktion, Volkskunst-Keramik, geflochtenen Pendelleuchten und bemalten Paneelen schafft einen vielschichtigen kulturellen Innenraum, der zugleich als authentisch ukrainisch und als gestaltete Gastronomieumgebung gelesen wird.












Das technische Dokumentationspaket ist umfassend: Innenraumansichten und Schnitte im Maßstab 1:50 dokumentieren in drei Zeichnungssätzen alle vier Wandflächen des Gastraums sowie den Küchen-Servicebereich, während ein vollständiges M-Serien-Möbelpaket im Maßstab 1:25 Pläne für den Barbereich, das Barregal, die Sitznischen, die dekorativen Paneelentwürfe und die Sanitärtischlerei abdeckt. Das Projekt wurde letztlich nicht gebaut, aber das technische Paket wurde dem Auftraggeber vollständig geliefert.



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