DIOGO LEITÃO
Straßenecken-Rendering von Rycerska 14 mit der gewählten Konzept-I-Fassade in tiefem Schwarz und Weiß im Silikonputz-Rendering mit vorspringenden Balkonen und Gewerbeverglasung im Erdgeschoss

Rycerska 14 Residential

Architektur

STANDORTBydgoszcz, Polen
JAHR2022-2024
KATEGORIEArchitektur
FLÄCHE2.774,49 m2
STUDIODiogo Leitão — Gründer, Rise.Design

Das größte Wohnungsneubau-Projekt des Studios nach Wohnungsanzahl: 38 Wohnungen über fünf oberirdische Geschosse plus Tiefgarage, an der ul. Rycerska 14 im Stadtteil Bocianowo der Innenstadt von Bydgoszcz. Der Auftrag erstreckte sich von der Bebauungsentscheidung im November 2021 (WAB.I.6730.231.2019.SJ) über Konzeptentwurf, Baugenehmigung, Ausführungsplanung und Übergabe über einen Zeitraum von drei Jahren und macht es zu einem der komplexesten städtischen Nachverdichtungsprojekte des Studios.

Das Grundstück liegt in der zentralen Innenstadtzone von Bydgoszcz auf der IV. Glazialterrasse des Brda-Beckens, wo Mehrfamilien-Wohngebäude, Gewerbebauten und historische Gebäude ein kompaktes Straßennetz teilen. Das 1.265,26 Quadratmeter große Grundstück erforderte maximale Dichte: 700,86 Quadratmeter Gebäudegrundfläche bei 55,4 Prozent Grundstücksüberbauung, ergebend 2.774,49 Quadratmeter Gesamtnutzfläche für Wohn- und Gewerbenutzung.

Straßenecken-Rendering von Rycerska 14 mit der gewählten Konzept-I-Fassade in tiefem Schwarz und Weiß im Silikonputz-Rendering mit vorspringenden Balkonen und Gewerbeverglasung im Erdgeschoss
Gartenecken-Rendering mit dem ausdrucksstärksten Blickwinkel des Gebäudes mit gestaffelten Baukörpern, rhythmischen Balkonvorsprüngen und dem darunterliegenden Innenhofgarten

Das denkmalgeschützte Stadthaus von 1890 an der Rycerska 16 steht unmittelbar angrenzend. Seine traditionelle Massivbauweise und Fundamente, als in schlechtem Zustand eingestuft, erforderten ein vollständiges technisches Sachverständigengutachten und gezielte Fundamentverstärkung, bevor Aushubarbeiten an der Rycerska 14 beginnen konnten. Obwohl das Projektgrundstück keinen formalen Denkmal- oder Archäologieschutz genießt, wurden die Arbeiten an der Straßenfassade mit dem Städtischen Denkmalpfleger im Rahmen der allgemeinen städtebaulichen Gestaltungsaufsicht innerhalb der geschützten Innenstadtzone koordiniert.

Innenhof-Perspektiven-Rendering mit der Komposition der Rückfassade mit Balkonterrassen, integrierten Pflanzgefäßen und landschaftlich gestalteten Gartenwegen
Innenhofgarten-Rendering mit dem umschlossenen Außenraum zwischen den Gebäudeflügeln mit Bestandsbepflanzung und darüberliegenden Wohnbalkonen

Das Programm forderte 38 Wohnungen von 29 bis 61 Quadratmetern, 28 Tiefgaragenplätze mit Vorverdrahtung für E-Fahrzeugladung für 14 Stationen à 3,7 kW, zwei Treppenhäuser, zwei Aufzüge mit Kabinen von mindestens 110x140 cm und vier vollständig barrierefreie Wohnungen mit Braille-Handlaufbeschriftung und sprachgesteuerten Aufzugspanelen. Drei Regenwasserrückhaltebecken mit insgesamt 28,26 Kubikmetern speisen eine EBARA RIGHT 100-Pumpstation, ergänzt durch ein 158,25 Quadratmeter großes Gründach über der Garage, das zusätzliche Regenwasserretention als direkte Antwort auf die eingeschränkte Grundstücksüberbauung bietet.

Innenhof-Eingangs-Rendering mit der fußläufigen Annäherung mit Landschaftsgestaltung, Gartenwegen und der rückwärtigen Gebäudefassade mit privaten Terrassen
Luftbild-Rendering aus der Vogelperspektive mit der vollständigen Gebäudekubatur, Dachterrassen, dem Innenhofgarten und dem städtischen Kontext im Stadtteil Bocianowo
Frontansichts-Rendering mit der dunklen Konzept-I-Fassade mit rhythmischen Balkonvorsprüngen, Verglasung im Erdgeschoss und Straßenbaumbepflanzung

Der Fassadenentwurfsprozess begann im Februar 2022 und produzierte vier unterschiedliche Konzepte, jeweils am 17. März 2022 aus identischen Blickwinkeln präsentiert, um einen direkten visuellen Vergleich zu ermöglichen. Das ist eine seltene Dokumentation der Entwurfsentwicklung statt nur des Ergebnisses. Konzept I, die gewählte Richtung, verwendet tiefes Mattschwarz (RAL 9004) und sanftes Gebrochen-Weiß (RAL 9001) in Silikonputz mit einer garantierten Mindestfarbstabilität von zehn Jahren in einer kontraststarken grafischen Komposition mit vorspringenden Balkonen und Glasbrüstungen. Konzept II milderte dies zu einer helleren Graupalette mit horizontaler Bänderung. Konzept III führte weiße Flächen mit dunklen Akzentbändern ein. Konzept IV trieb einen rein weißen minimalistischen Ansatz voran.

Seitenansichts-Rendering mit dem abgestuften Gebäudeprofil mit Materialübergangszonen und dem Bezug zu benachbarten Gebäuden
Gartenbalkon-Detail-Rendering mit privaten Terrassen mit Pflanzgefäßen, Glasbrüstungen und intimer Außenwohnqualität
Garteneingangs-Rendering mit der Annäherung an den Innenhof mit Landschaftsgestaltung, Fußweg und rückwärtiger Gebäudefassade

Alle vier Konzepte teilen identische Kubatur und Fassadenöffnungen und dokumentieren die gesamte Bandbreite architektonischer Identität, die für eine einzelne Gebäudeform erkundet wurde. Das 4. Obergeschoss ist gegenüber der Hauptfassadenebene zurückgestaffelt, um den visuellen Einfluss auf die Straße zu reduzieren und die Besonnungsanforderungen für Nachbargrundstücke zu erfüllen. Das Gebäude ist an das KPEC-Fernwärmenetz angeschlossen und eliminiert Einzelheizkessel in allen 38 Wohnungen, während die Stromversorgung durch ENEA mit 133,05 kW Gesamtleistung bei 16 kW pro Wohnung an Dreiphasenanschlüssen erfolgt.

Innenhof-Panorama-Rendering mit dem umschlossenen Gartenraum zwischen den Gebäudeflügeln mit Bestandsbepflanzung und darüberliegenden Balkonen

Der zwischen den Gebäudeflügeln eingeschlossene Innenhof bietet einen geschützten Außenraum für die Wohngemeinschaft mit 241,49 Quadratmetern Balkonfläche und 108,80 Quadratmetern Terrassen, die zu ihm ausgerichtet sind. Landschaftlich gestaltet mit Bestandsbepflanzung und Fußwegen auf einer biologisch aktiven Fläche von 326,36 Quadratmetern (25,79 % des Grundstücks), fungiert er als räumliches Gegenstück zur Straßenfassade: Wo die Frontfassade eine öffentliche architektonische Aussage in Schwarz und Weiß ist, ist der Innenhof ein intimer Garten im Maßstab des täglichen Wohnlebens. Die Erdgeschosswohnungen verfügen über private Vorgärten zur Straße.

Innenhof-Fernperspektiven-Rendering mit der vollen Gartentiefe mit Landschaftsgestaltung, Gehwegen und Gebäudefassaden
Fassaden-Konzept-II-Grauvarianten-Rendering aus identischem Blickwinkel mit hellerer grauer Materialpalette und dezenter horizontaler Bänderung
Fassaden-Konzept-III-Rendering aus identischem Blickwinkel mit weißen Flächen und kontrastierenden dunklen horizontalen Akzentbändern
Fassaden-Konzept-IV-Rendering aus identischem Blickwinkel mit rein weißem Materialansatz und klaren geometrischen Balkonformen

Die geotechnischen Bedingungen auf dem Grundstück waren Kategorie III, bestätigt durch acht Bohrungen bis acht Meter Tiefe über das gesamte Gelände. Vier unterschiedliche geologische Schichten wurden identifiziert, von anthropogenen Auffüllungen über pleistozäne Sande bis zu quellfähigen pliozänen Tonen, die in etwa sieben Metern Tiefe auftreten. Schichtwasser wurde bei 0,8 bis 0,9 Metern unter Geländeoberkante angetroffen, aufsitzend auf der undurchlässigen Tonschicht. Diese Bedingungen schlossen konventionelle Streifenfundamente aus und erforderten eine Stahlbeton-Fundamentplatte über die gesamte Gebäudegrundfläche.

PAB-Ansichtszeichnung mit der straßenseitigen Konzept-I-Fassade mit Balkonrhythmus, Materialzonen und Gewerbegestaltung im Erdgeschoss
PAB-Ansichtszeichnung mit den Proportionen der Seitenfassade, dem Fenstermuster und dem gestaffelten Gebäudeprofil

Das Projekt erforderte die Koordination mit mehr als acht städtischen Behörden für die Genehmigungsverwaltung: ENEA für Stromanschlüsse, MWiK für Wasser- und Regenwassersysteme, KPEC für Fernwärme und ZDMiKP für Straßenbaubehörden-Genehmigungen betreffend Zufahrtsrekonstruktion und Leitungsverlegung im Straßenraum. Die 24 cm starken Stahlbeton-Tragwände tragen 20 cm Mineralwolldämmung mit U=0,19 W/m2K, während die Wohnungen mit 5-Kammer-PVC-Fenstern in Dreifachverglasung (U von 0,9 W/m2K oder besser) mit Eichenstrukturfolie und Türen mit 32 dB Schalldämmung mit fünf Einbruchschutzriegeln ausgestattet sind. Die Baugenehmigungs-Dokumentation wurde bis zum 18. November 2022 zusammengestellt.

PAB-Architekturzeichnung mit der Südansicht mit der vollständigen straßenseitigen Fassadenkomposition und Materialannotationen
PAB-Architekturzeichnung mit der Ostansicht mit den Proportionen der Seitenfassade und dem gestaffelten Profil
PAB-Architekturzeichnung mit der Nordansicht mit der Komposition der rückwärtigen Innenhoffassade
PAB-Architekturzeichnung mit der Westansicht mit dem Bezug zum angrenzenden denkmalgeschützten Gebäude
PAB-Architekturzeichnung mit einer zusätzlichen Fassadenstudie mit Materialspezifikationen
PAB-Technikzeichnungsseite mit der Frontansicht mit Konzept-I-Fassadenannotationen, Balkonvorsprüngen und Materialzonenspezifikationen

Die Besonnungskonformität wurde mittels SketchUp-Schattensimulation zum Märzäquinoktium verifiziert und bestätigt, dass alle Aufenthaltsräume die Mindestanforderung von 1,5 Stunden direkter Besonnung für innerstädtische Entwicklungszonen erfüllen. Die Südfassade erhält volle Sonneneinstrahlung vom Morgen bis zum späten Nachmittag. Der gestaffelte Rücksprung des vierten Geschosses reduziert den Schatteneinfluss auf Nachbargrundstücke zusätzlich. Das Gebäude erreicht 14,96 Meter Höhe bei einer Frontfassadenbreite von 17,45 Metern mit einem Bruttovolumen von 14.671,25 Kubikmetern.

Besonnungskonformitäts-Analysediagramm mit der Schattenstudie zum Märzäquinoktium für die Südfassadenbelichtung
Besonnungskonformitäts-Analysediagramm mit dem Schatteneinfluss auf Nachbargebäude in den Morgenstunden
Besonnungskonformitäts-Analysediagramm mit den Mittagsschattenmustern und der Besonnung der Aufenthaltsräume
Besonnungskonformitäts-Analysediagramm mit der Nachmittagsschattenstudie für die Westfassade und den Innenhof
Besonnungskonformitäts-Analysediagramm mit der kumulativen Äquinoktialbelichtung, die die Einhaltung des Mindestwerts von 1,5 Stunden bestätigt

Die Baugenehmigungs-Dokumentation umfasst das vollständige technische Paket: Querschnitte, alle vier Ansichten im Maßstab 1:100, Grundrisse vom Erdgeschoss bis zum Dachgeschoss und den Bebauungsplan.

Querschnitt A-A mit der Gebäudehöhe, den Geschossebenen, der Tiefgarage und der Tragwerksorganisation durch den Wohnblock
Längsschnitt B-B mit den Wohnungstiefen, der Korridoranordnung, dem Aufzugskern und dem Bezug zwischen Straßenfassade und Innenhof
Südansicht A11 mit der vollständigen straßenseitigen Fassade mit Balkonvorsprüngen, Materialzonen und Gewerbeverglasung im Erdgeschoss
Ostansicht A12 mit den Proportionen der Seitenfassade, dem Fenstermuster und dem gestaffelten Gebäudeprofil mit Annotationen
Erdgeschossgrundriss A02 mit den Wohnungsgrundrissen, Gewerbeeinheiten, dem Eingangsfoyer, dem Aufzugskern und der Garagenrampenzufahrt
Dachgeschossgrundriss A06 mit dem gestaffelten Gebäudegrundriss mit reduzierter Geschossfläche, Terrassenflächen und Penthouse-Anordnungen
PZT-Bebauungsplan B02 mit dem Gebäudegrundriss auf dem Grundstück, den Abstandsflächen, der Fahrzeugzufahrt, dem Innenhofgarten und dem Nachbarschaftskontext
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