DIOGO LEITÃO
Erhaltene Industriefassade aus rotem Backstein von Carl Meyer aus dem Jahr 1890 mit neoromanischem Zierbacksteinwerk, Bogenfenstern, wucherndem Efeu und historischer goldener Laternenleuchte

BCS Museum (Kardas Family)

Architektur, Innenarchitektur

STANDORTBydgoszcz, Polen
JAHR2017-2019
KATEGORIEArchitektur, Innenarchitektur
FLÄCHE472 m2
STUDIODiogo Leitão — Gründer, Rise.Design

Das BCS Museum, heute als Bydgoskie Centrum Sztuki im. Stanislawa Horno-Poplawskiego betrieben, ist Rise.Designs erstes Museums- und Kulturinstitutionsprojekt, realisiert durch die Umnutzung eines neoromanischen Industriegebäudes von Carl Meyer aus dem Jahr 1890 an der Ul. Jagiellonska 47 in Bydgoszcz. Ursprünglich der Verwaltungsflügel des Städtischen Schlachthofkomplexes, wurde das Gebäude von der Fundacja Take Care der Familie Kardas in Auftrag gegeben, um deren private Kunstsammlung als öffentlich zugängliches zeitgenössisches Kunstzentrum unterzubringen. Das 472 Quadratmeter große Interieur erstreckt sich über vier Ebenen: Kellergeschoss mit 104 Quadratmetern, Erdgeschoss mit 119, erstes Obergeschoss mit 124 und obere Ebene mit etwa 126. Jede Ebene ist auf spezifische Ausstellungsanforderungen abgestimmt. Das Museum wurde im März 2017 eingeweiht und ist weiterhin in Betrieb.

Erhaltene Industriefassade aus rotem Backstein von Carl Meyer aus dem Jahr 1890 mit neoromanischem Zierbacksteinwerk, Bogenfenstern, wucherndem Efeu und historischer goldener Laternenleuchte

Das Gestaltungskonzept wurde vom Gründungsethos der Institution geprägt: das rohe industrielle Erbe eines Schlachthofs des neunzehnten Jahrhunderts in einen warmen, einladenden, zeitgenössischen Kulturraum zu verwandeln. Rise Design formulierte dies als Verpflichtung zu drei Prinzipien: Klarheit, Wärme und Langlebigkeit. Das Ziel war, der Tendenz von Umnutzungsprojekten entgegenzuwirken, das Bestandsgebäude entweder übermässig zu glätten bis zur Unsichtbarkeit oder es so roh zu belassen, dass es als Galerie nicht funktioniert.

Eingangshalle mit zentraler Treppe mit modernen weißen Geländern, dekorativen kugelförmigen Metallknoten-Details und Oberlicht, das das im Bestand umgenutzte Museum mit natürlichem Licht flutet
Mehrstöckiger Galeriekorridor mit zeitgenössischen weißen Trockenbau-Einbauten im Kontrast zur originalen freiliegenden Industriestruktur, Holzbalken und Backsteinwänden

Der architektonische Ansatz etabliert einen klaren Dialog zwischen der erhaltenen neoromanischen Backsteinschale und zeitgenössischen Einbauten. Weiße Trockenbau-Galerievolumen sind innerhalb und um die Originalstruktur eingefügt, ohne das historische Gewebe zu verbergen oder nachzuahmen. Freiliegende Backsteinwände, originale Holzbalken und die Backsteinrundbogenöffnungen bleiben als authentischer Charakter des Gebäudes ablesbar. Rote Akzentelemente an Treppenabsätzen und vertikalen Erschließungsknoten bilden eine chromatische Orientierungsschicht, die die neutralen Ausstellungsflächen gliedert.

Ausstellungsraum mit maßgefertigten modularen Präsentationssockeln und Glasvitrinen, die Skulpturen auf makellosen weißen Epoxidharz-Betonoptik-Böden in Museumsqualität präsentieren
Mehrstöckige Ansicht mit roten Akzentelementen, die die vertikalen Galerieverbindungen innerhalb der historischen Industriehülle von 1890 des ehemaligen städtischen Schlachthofgebäudes zeigen

Das zentrale Treppenhaus wird von einer skulpturalen Leuchte in Form eines molekularen Atoms dominiert, die im historischen Erschließungsraum schwebt. Ihre geometrische Metallkugelkonstruktion verweist gleichzeitig auf Wissenschaft, Kunst und die industrielle Vergangenheit des Gebäudes. Die Galerieböden sind mit Epoxidharz in Betonoptik ausgeführt und bieten die neutrale, museumsgerechte Bodenfläche, die den Kunstwerken die visuelle Dominanz überlässt.

Treppendetail, das den Dialog zwischen historischem Industrieziegel- und Holzbalkenwerk und dem zeitgenössischen minimalistischen weißen Trockenbau-Eingriff mit Metallgeländern zeigt
Treppenhaus mit einer skulpturalen, molekülatomförmigen Leuchte, die im historischen Erschließungsraum hängt, mit kugelförmigen Metallknoten entlang horizontaler weißer Schienen
Skulpturale, molekülatomförmige Leuchte im historischen Treppenhaus mit geometrischer Metallkugel-Konstruktion und warmem Schein vor originalem Backstein und Holzbalken

Eine maßgeschneiderte Ausstellungsmöbelserie, dokumentiert in acht technischen Zeichnungen, liefert die modulare Infrastruktur für die Sammlung: Displaypodeste mit Glasvitrinen und DURMA-Metallgelenkverbindungen, verstellbare Vitrinen in mattem Beige-MDF-Laminat mit Glasfronten sowie ein wandelbarer modularer Empfangstresen. Der Empfangstresen ist das konzeptionell ausgereifteste Stück: ein Paneelsystem, das zwischen offener und geschlossener Konfiguration wechselt und sich an Besucherströme und Ausstellungsprogrammanforderungen anpasst, ohne eine feste räumliche Festlegung.

Rendering des modularen Empfangstresens in geöffneter Konfiguration mit anpassbarem MDF-Paneelsystem in beiger Mattlaminat-Oberfläche und integriertem beleuchtetem, schwebendem Regal
Rendering des modularen Empfangstresens in einer weiteren geöffneten Konfiguration, das die verwandelbare Möbelgestaltung für flexible Ausstellungsprogrammierung zeigt

Die Entwurfsentwicklung untersuchte vier unterschiedliche Farb-, Material- und Oberflächenszenarien und testete Kombinationen aus weißen Wänden, Epoxidharz-Betonböden, Eichenparkett und Naturholzverkleidungen vor dem freiliegenden Backsteinmauerwerk. Die Außenbeschilderung erfolgt über ein halbtransparentes Stoffbannersystem, das an den Blindfensteröffnungen der neoromanischen Fassade montiert ist und die architektonische Integrität des Mauerwerks von 1890 wahrt, während es eine gut lesbare öffentliche Kennzeichnung bietet.

Moodboard-Collage mit Materialpalette-Recherche, Farb- und Oberflächenstudien sowie Gestaltungsinspirationen für die Innenraumidentität des Museums
Vorschlag für die Außenbeschriftung mit einem halbtransparenten Stoffbanner-System, montiert auf den historischen Blindfenstern, mit BCS-Markenauftritt unter Erhalt der architektonischen Integrität der Fassade
Architektonischer Erdgeschossgrundriss mit mehrstöckigem Layout, Ausstellungssälen, Nebenräumen und zentralem Treppenhauskern
Architektonischer Grundriss des Obergeschosses mit Ausstellungsgalerien, Erschließungskorridoren und vertikalen Verbindungen innerhalb der historischen Industriehülle von 1890
Technisches Detail des Empfangstresens mit der Konstruktion des modularen MDF-Paneelsystems, dem Mechanismus des beleuchteten schwebenden Regals und dem konfigurierbaren Tresen-Aufbau
Technisches Detail der maßgefertigten Möbel mit den DURMA-Metallverbindungen des modularen Präsentationssockels, dem Glasvitrinen-System und dem Sockelaufbau
Technische Möbelzeichnung mit den Abmessungen des modularen Präsentationssockels, Materialspezifikationen und Montagedetails für das Ausstellungssystem
Konstruktionsdetail der Vitrine mit MDF-Laminatkorpus, Glasfrontpaneelen, verstellbarem Regalsystem und Montagespezifikationen
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