DIOGO LEITÃO
Zeichnung: UO-Übersichtsgrundriss S im Maßstab 1:50 mit offener Wohnküche und Essbereich im Obergeschoss, Schlafzimmer, einem neu gestalteten Badezimmer mit Vorraum sowie individuellen Möbelzonen M1 bis M9

W. Jakubowski Attic Apartment

Innenarchitektur

STANDORTBydgoszcz, Polen
JAHR2022
KATEGORIEInnenarchitektur
FLÄCHE65-72 m2
STUDIODiogo Leitão — Gründer, Rise.Design

Die Dachgeschosswohnung W. Jakubowski liegt an der ul. Kopernika — der Kopernikusstraße — im Herzen des historischen Stadtgefüges von Bydgoszcz und nimmt das oberste Geschoss sowie die Dachetage eines Mietshauses aus dem späten 19. Jahrhundert ein, dessen preußisches Bauerbe sich am eindrücklichsten in den hölzernen Hängewerk-Dachstühlen darüber ausdrückt: gealterte Kiefer mit handgefertigten Zapfenverbindungen, patiniert durch mehr als ein Jahrhundert Bewohnung. Die Wohnung, die sich über 65 bis 72 Quadratmeter auf zwei miteinander verbundenen Ebenen erstreckt, wurde im ursprünglichen, unrenovierten Zustand übernommen — funktional, aber über Jahrzehnte ohne kohärente gestalterische Absicht gewachsen. Ein cremefarbener Emaille-Küchenschrank aus den 1960er-Jahren, pink gestrichene Badezimmerwände, zwei unzureichende, auf die Geschosse verteilte Badezimmer sowie eine auf einen dunklen, durch die Dachschräge beengten Raum im Untergeschoss beschränkte Küche prägten den Bestand. Die Aufgabenstellung war eine vollständige Transformation: keine kosmetische Verbesserung, sondern eine grundlegende räumliche Neuordnung, die die Wohnung als zeitgemäßes Zuhause funktionieren lässt.

Der Entwurfsprozess begann im Juli 2022 mit fünf unterschiedlichen Stilrichtungen, die dem Auftraggeber vorgestellt wurden — von Warm Industrial mit Cognac-Leder und dunklem Einbaumobiliar über die Varianten Dark Rustic und Scandinavian Nordic bis hin zu zwei dachgeschossspezifischen Ansätzen: einem Dark Attic/Loft-Konzept, das die sichtbare Holzkonstruktion mit maßgefertigtem Stauraum unter den Dachschrägen aufgriff, sowie einer Bright Nordic Attic-Option, die die Balken in Weiß in Szene setzte. Die gewählte Richtung verband Elemente der Konzepte Warm Industrial und Dark Attic und mündete in eine Palette aus dunkelblauem Küchenspritzschutz, warmen beigefarbenen Bodenfliesen in sämtlichen Nassbereichen und großformatigen grauen Wandfliesen im Badezimmer — ein stimmungsvolles, zeitgemäßes Interieur, das den historischen Charakter zugunsten räumlicher Kohärenz aufgibt. Der folgenreichste Aspekt dieser Entscheidung: Die schönen, gealterten Hängewerk-Dachstühle, deren Inszenierung mehrere Moodboard-Richtungen vorgeschlagen hatten, werden hinter neuen Gipskartonwänden und maßgefertigtem Einbaumobiliar verborgen. Die Entscheidung tauscht das markanteste konstruktive Merkmal der Wohnung gegen maximale nutzbare Wandfläche und Stauraumvolumen — eine pragmatische Kalkulation für ein Zuhause, in dem jeder Zentimeter unter Stehhöhe zum Funktionieren gebracht werden muss.

Zeichnung: UO-Übersichtsgrundriss S im Maßstab 1:50 mit offener Wohnküche und Essbereich im Obergeschoss, Schlafzimmer, einem neu gestalteten Badezimmer mit Vorraum sowie individuellen Möbelzonen M1 bis M9

Die räumliche Neuordnung ist umfassend. Der zentrale gemauerte Kaminvorbau mit Holzofen — das prägende Element, das den Wohnbereich im Dachgeschoss zuvor in zwei Abschnitte teilte — wird entfernt, wodurch ein einziger durchgehender offener Raum unter der eindrucksvollen Dachschräge entsteht, mit Raumhöhen von 3,19 Metern am Firstpunkt des Wohnzimmers und 3,66 Metern am First-Scheitelpunkt. Die Küche wandert vom Untergeschoss ins Obergeschoss, wo sie mit einer für hohe Einbauschränke ausreichenden Raumhöhe von 3,16 Metern halboffen zum Wohnbereich wird. Die beiden bestehenden Badezimmer werden zu einem einzigen, ordentlich ausgestatteten Nassraum mit separater Duschkabine, unter einem Dachflächenfenster positionierter Badewanne, Waschtisch und einem eigenen, mit schwarzen Fliesen verkleideten Vorraum als dramatischer Schwelle zusammengelegt — das einzige aus dem Bestand erhaltene Element ist der Bezug der Badewanne zum natürlichen Licht von oben. Eine neue Sanitärinfrastruktur unterstützt die Küchenverlegung und führt Wasserversorgung und Entwässerung durch die Geschossdecke zur Kochzone im Obergeschoss. Das Untergeschoss behält den Eingangsflur und die interne Treppe — dreizehn Stufen mit 16 Zentimeter Steigung — bei, mit Stauraum, der unter und neben der Treppe eingebaut ist.

Zeichnung: Elektro- und Schalterplan im Maßstab 1:50 mit Stromkreisangaben, Positionen der 16A-230V-Steckdosen, Beleuchtungsanschlüssen für die Dachfenster und eigenen Anschlüssen für Küchengeräte
Zeichnung: Beleuchtungsplan im Maßstab 1:50 mit Positionen der eingebauten LED-Spots, Standorten der Pendelleuchten, Wechselschaltungen für die Dachgeschosstreppe und raumweisen Dimmzonen

Neun maßgefertigte Einbaumöbel — codiert M1 bis M9 — bilden die zentrale gestalterische Strategie, um die Dachgeschossgeometrie bewohnbar zu machen. Da die Kniestockhöhen an der Traufe auf 59 Zentimeter absinken, liegt etwa ein Drittel der Grundfläche unter Stehhöhe. Anstatt diese Zonen ungenutzten Hohlräumen zu überlassen, beanspruchen 23 oder mehr laufende Meter maßgefertigten Stauraums jeden niedrigen Abschnitt: Die 416 Zentimeter breite Medienwand im Wohnzimmer erstreckt sich über die gesamte Breite der Schrägzone mit offenen Regalen, geschlossenem Stauraum und einer dem Schrägenverlauf folgenden TV-Nische; die 293 Zentimeter lange Küchenzeile integriert Geräte und einen Kühlschrank entlang der praktikabelsten Arbeitsplattenlänge; Einbauschränke im Schlafzimmer folgen den Schrägwänden an beiden Enden des Obergeschosses. Die Dichte maßgefertigter Einbaumöbel ist für eine Wohnung dieser Größe außergewöhnlich — Ausdruck des gestalterischen Anspruchs, die Zwänge des Dachgeschosses vollständig statt nur teilweise bewohnbar zu machen.

Der Bodenbelagsplan im Maßstab 1:50 verteilt großformatige beige Feinsteinzeugfliesen durch die Nassbereiche — Badezimmer, Vorraum und Küchenzone — mit schwimmend verlegtem Eichenparkett im Wohn- und Schlafbereich. Die Ansichten der Badezimmerwände im Maßstab 1:25 legen graue Wandfliesen im Format 30x90 Zentimeter für alle vier Badezimmerwände fest, wobei die Maße der Duschnische und die Platzierung des Waschtisches gesondert ausgewiesen sind. Ein dunkelblauer Spritzschutz in der Küche bildet den einzigen farblichen Akzent innerhalb einer ansonsten neutralen Palette: die einzige bewusste Farbgeste in einem Entwurf, der sich ansonsten über Materialtextur und Tonwertvariation statt über farbliche Aussage entfaltet. Acht Querschnitte dokumentieren die räumliche Logik des Dachgeschosses in vollständiger technischer Detailtiefe — der einzige Weg, eine Geometrie aufzulösen, in der sich der Schnitt fortlaufend von der Traufe zum First verändert und jedes gebaute Element die Dachschräge berücksichtigen muss.

Zeichnung: Bodenbelagsplan im Maßstab 1:50 mit Zonen aus Feinsteinzeugfliesen Tubadzin Macchia Beige 60x60 in den Nassbereichen und Zonen mit schwimmend verlegtem Eichenparkett, Materialgrenzlinien und Verlegerichtungspfeilen
Zeichnung: Ansichten der Badezimmerwände im Maßstab 1:25 mit dem Fliesenlayout Paradyz Urban Colours Grau 30x90, den Vorraumfliesen Tubadzin Fashion Black, den Maßen der Duschnische sowie der Spezifikation des Waschtisches mit Spiegel
Zeichnung: Möbeldetail Küche M1 im Maßstab 1:25 mit den Maßen der Unterschränke entlang der 293 Zentimeter langen Küchenzeile, den dunkelblauen Spritzschutzfliesen Tubadzin Abisso Navy, den Gerätezonen und der Position des Kühlschranks
Zeichnung: Möbeldetail Wohnzimmer M3 im Maßstab 1:25 mit dem 416 Zentimeter breiten TV-Möbel und der Medienwand, der Integration eines Bücherregals entlang der Dachschräge, den Maßen der Staukästen und dem Schnittprofil
Vorher: Foto des Dachgeschosswohnzimmers vor der Renovierung mit sichtbaren hölzernen Hängewerk-Dachstühlen, zentralem Kaminvorbau mit Holzofen, Kiefernholzdielen und einer pinkfarbenen Akzentwand
Vorher: Foto des Wohnzimmers im Obergeschoss im Bestandszustand mit gealterter hölzerner Dachstuhlkonstruktion, sichtbaren traditionellen Zapfenverbindungen, grauem Sofa, wandmontiertem Fernseher und Dachfenstern für Tageslicht
Vorher: Foto der Küche im Untergeschoss vor der Renovierung mit cremefarbenem Emaille-„Kredens“-Küchenschrank aus den 1960er-Jahren, freistehendem Gasherd, gemustertem Vinylboden und holzvertäfelten Sperrholzwänden unter der Dachschräge
Vorher: Foto des oberen Badezimmers im Bestandszustand mit eingebauter Badewanne unter dem Dachflächenfenster, wandmontiertem Gas-Durchlauferhitzer, weißen Keramikfliesen, Standwaschbecken und Waschmaschine
Vorher: Nahaufnahme des hölzernen Dachstuhls vor der Renovierung mit gealterter Kiefern-Hängesäule mit diagonalen Streben, traditionellen handgefertigten Zapfenverbindungen und Kehlbalkenanschlüssen
Vorher: Foto des unteren Badezimmers im Bestandszustand mit pink gestrichenen Wänden, veralteter Badewanne, terrakottabraunen Bodenfliesen, quer durch den Raum gespannten Wäscheleinen und traditioneller Kassettentür
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