
N. Wyskiel Nordic
Innenarchitektur
Nathalie Wyskiel beauftragte diese Wohnung für sich selbst, in einem der höchsten Hochhäuser von Bydgoszcz. Ein Hochhaus im Stadtviertel Srodmiescie, Fassadenpaneele in Terrakotta- und Kupfertönen, Glasbrüstungen, mitten in der Stadt. Die Wohnung liegt in einem oberen Stockwerk hinter raumhohen schwarzen Aluminiumfenstern, und der Blick reicht rundum: Kirchtürme, Dächer, Wohntürme, Grün in den Lücken dazwischen. Der Ausblick ist der eigentliche Ort. Alles andere wurde darauf ausgerichtet, ihn zu erreichen. Eine zweite Wohnung für dieselbe Auftraggeberin im selben Gebäude entstand parallel dazu, sodass 2020 und 2021 zwei fertige Interieurs gleichzeitig hervorbrachten.
Die Aufgabe war einfach genug: Der Grundriss funktionierte nicht für sie. Die Standortfotografie vom September 2020 zeigt, warum. Die Grundqualität war in Ordnung, Holzoptik-Bodenbelag, einfache Badezimmerfliesung, die Panoramafenster waren schon da. Der Grundriss war das Problem. Er zerschnitt den Wohnbereich und ließ kaum Platz für irgendetwas. Das Badezimmer hatte Wasserschäden. Der Flur bestand aus einer Reihe von Türen ohne jeden Stauraum. Von dem, was die Wohnung sein könnte, war noch nichts verwirklicht.
Der zentrale Eingriff war der Rückbau der Trennwände. An ihre Stelle trat ein einziges, 49 Quadratmeter großes Volumen für Wohnen, Essen, Küche und Arbeitsplatz, sodass die Verglasung von jedem Punkt aus wirkt. Raumhohe Taschenschiebetüren mit 245 Zentimetern lösten die massiven Trennwände ab. Sie trennen die Wohnung weiterhin, aber Licht dringt hindurch, und die Raumhöhe von 275 Zentimetern liest sich in voller Höhe. An der Flurschwelle wurde die Trennwand zu schwarzem, stahlgerahmtem Glas: Man sieht hindurch, man hört nicht hindurch. Acht Maßschreinerei-Elemente tragen den Stauraum. Küchenschranksystem, Bücherregalwand im Wohnzimmer, begehbarer Kleiderschrank mit glasfronter Garderobe, Flurgarderobe, Badezimmerschränke und ein niedriges Pflanzenregal am Schlafzimmerfenster. Nichts davon wurde nachträglich hinzugefügt.
Der Projektname „NORDIC" spiegelt die Gestaltungsphilosophie des Projekts wider: eine warme, skandinavisch-moderne Ästhetik, geprägt von natürlichen Materialien, klaren Linien und einer zurückhaltenden, aber reichen Materialpalette, in der sanfte, gedeckte Wandfarben als Hintergrund dienen, vor dem hochwertiges Naturholz und Naturstein zur Geltung kommen. Diese Philosophie wurde in drei unterschiedlichen, jeweils vollständig ausgearbeiteten Varianten entwickelt, die die Ausrichtung der Auftraggeberin schrittweise klärten.

Es brauchte drei Durchgänge, um herauszufinden, was sie wirklich wollte. Variante 1 (V1) war warmer, eklektischer Mid-Century: Eames Lounge Chair in cremefarbenem Leder mit Nussbaumschale, cognacfarbenes Ledersofa, Calacatta-Marmorwände im Badezimmer mit kräftiger grauer Äderung, Doppelwaschtisch, Rauchglas-Pendelleuchten. Variante 2 (V2) wurde dunkler. Smaragdgrüner Samt auf dem Bett, eine dunkle Nussbaum-Kopfteilwand, tiefe waldgrüne Akzentwände, ein großes terrakottafarbenes Kreismotiv und ein begehbarer Kleiderschrank hinter schwarzen, stahlgerahmten Glastüren im Crittall-Stil. Keine der beiden war eine Skizze. Beide waren vollständige Wohnungen.

Die finale Variante 3 (V3) erreicht einen reinen, warmen nordischen Minimalismus, in dem Naturholz-Eiche zum primären Material wird: raumhohe, fest eingebaute Eichenschranksysteme in der Küche, Eichenwandverkleidungspaneele im Wohnzimmer, eine maßgefertigte Eichen-Bücherregalwand mit integrierter Nische für das vorhandene Klavier der Auftraggeberin. Durchgängige Stahl-Glas-Industrietrennwandtüren bringen eine industrielle Verfeinerung ein, die die Wärme des Holzes ausgleicht. Der Raumplan ist um die 49 Quadratmeter große offene Küchen-Wohn-Ess-Zone strukturiert, mit dem Schlafzimmer und dem begehbaren Kleiderschrank hinter der Glastrennwand sowie dem Badezimmer als dem intensivsten Innenraum der Wohnung.

Im V3-Badezimmer geht die Wohnung am weitesten. Dunkle, vulkangesteinstrukturierte Fliesen laufen raumhoch an jeder Wand, und der Raum schließt sich um einen herum wie eine Höhle. Eine freistehende Badewanne in Graphitfarbe steht vor dieser Dunkelheit, ohne schwer zu wirken. Der schwebende weiße Waschtisch mit mattschwarzem quadratischem Becken ist die einzige Auflockerung. Es gibt hier keinerlei räumliche Kunstgriffe. Die ganze Wirkung ist materiell. Neben dem warmen Eichenholz der Wohnräume gibt das der Wohnung zwei Atmosphären, und das Einzige, was sie trennt, ist das Material, aus dem sie gemacht sind.

Die Wohnung liegt hoch im Gebäude, und die raumhohen Fenster geben Kirchtürme, Dächer und den Horizont in jede Richtung zurück. V3 treibt das weiter. Niedrige schwarze Regale unter den Fenstern tragen die Pflanzen, sodass nichts den Blick aus sitzender Position versperrt, und die Stadt wird zur Tapete für die Wohnzone.


Die maßgefertigte Eichenschreinerei ist dort, wo das meiste Geld hinging: Küchenfronten, Bücherregalwand, begehbarer Kleiderschrank mit Glasfront-Vitrine, Kleiderstangen, Regale, Schubladenelemente. Die Sanitärausstattung wurde darum herum festgelegt, nicht getrennt davon.











