
Gaska Poznan Restaurant
Innenarchitektur, Branding
Gaska Kujawska Stopka ist die Renovierung eines 144,5 Quadratmeter großen Restaurants in der Region Kujawien in Polen, verteilt auf drei miteinander verbundene Zonen und angelehnt an die Küche und Identität des Kujawischen Tieflands. Das Gebäude war ein bestehendes Straßenrestaurant: ein gemauerter Hauptbau mit angebautem verglastem Wintergarten. Die Aufgabe war, daraus einen warmen europäischen Gastraum zu machen, klassisches Bistro-Vokabular gelesen durch eine skandinavisch-polnische Sensibilität. Das Ergebnis hält zwei Atmosphären gleichzeitig: einen formalen Hauptsaal, einen informellen Wintergarten und dazwischen eine Bartheke, die zu beiden gehört. Die Materialien tragen den regionalen Charakter, ohne nostalgisch zu werden: Salbeigrün, Naturholz, Terrazzo.
Ziel war ein Raum, der sich alt und aktuell zugleich anfühlt, der sich die Wärme von Landhäusern und Gartenläden über Farbe und Material holt, statt über die Nachbildung einer Epoche. Alles, was spezifiziert wurde, musste die Lebensdauer einer arbeitenden Küche überstehen: Möbel aus Naturbuche mit pflegeleichter Polsterung, Vinylplankenboden, Arbeitsplatten aus Quarzkomposit, satiniert lackierte MDF-Schreinerarbeiten. Ein Restaurant, das auch im fünften Jahr noch durchdacht aussieht, ist mehr wert als eines, das am Eröffnungsabend seinen Höhepunkt erreicht.
Das vollständige Paket ging in einem einzigen Monat hinaus, Oktober 2019: Konzept, Visualisierungen, technische Zeichnungen, Möbeldetails, Elektropläne. Bau und Ausbau waren für Anfang 2020 geplant. Der Umfang ließ nichts stehen. Bestehendes Mobiliar, Einbauten, Wandpaneele, abgehängte Decke und Beleuchtung, alles kam heraus. Fliesen entfernt, Böden vorbereitet, Farbe von der Holzdecke und den Stützen des Wintergartens abgebeizt, die Elektrik komplett neu verlegt. Dann neue Gipskartondecken in Hauptsaal und Bar, neue Wand- und Bodenfliesen, Vinyl auf den vollen 144,5 Quadratmetern, Holzjalousien im Wintergarten und frisches Öl auf dem restaurierten Holz. Das Projekt umfasst 55 Seiten, davon fünfzehn Möbelzeichnungen im Maßstab 1:25. Das ist der Grad an Dokumentation, den es braucht, damit ein Entwurf so auf der Baustelle ankommt, wie er gezeichnet wurde.
Der Hauptspeisesaal ist 77,2 Quadratmeter groß und gibt das formale Register vor. Salbeigrüne Paneelvertäfelung mit klassischen Profilleisten säumt die Wände. Die Farbe ist warm und zurückhaltend, das Grün alter Landhäuser und Gartenläden, mit zeitgenössischem Blick ausgewählt. Beleuchtete Vitrinen stehen zu beiden Seiten des Durchgangs zur Bar, ihre Glasregale legen eine Schicht über die Vertäfelung. Das Mobiliar ist Bugholz von FAMEG und TON in Naturbuche. Champagne-Oak-Vinylplanken verlaufen über den Boden und wärmen den Raum von unten. Opalglas-Pendelleuchten darüber geben gleichmäßiges Licht, was ein Restaurant braucht, das den ganzen Tag geöffnet hat.


An den Fensterplätzen sind Pflanzgefäße in die Sockelleiste der Vertäfelung eingebaut, sodass das Grün in der Wand sitzt und keinen Bodenplatz braucht. Lebende Pflanzen in Gefäßen mit Quarztop und mattfrostierten Glasseiten wiederholen sich entlang jeder Sitzbank. Sie mildern das Einbaumobiliar und holen die Kujawy-Landschaft vor den Fenstern in den Raum. Die Sitzbänke sind im gleichen Salbeigrün getuftet wie die Wände, was rund um den Raum eine durchgehende Fläche vom Boden bis zur Augenhöhe ergibt. Ein bescheidener Raum wirkt so eher umschlossen als nur möbliert.

Die Bartheke ist aus Technistone-Crystal-Diamond-Quarz und liegt in den 15 Quadratmetern zwischen Speisesaal und Wintergarten. Von der Wintergartenseite aus liest man die Quarzoberfläche, die hinterleuchteten Flaschenregale und die Opalpendel als die Linie, an der ein Raum zum anderen wird. Das Terrazzo-Finish, ein warmneutrales Aggregat, ist ein drittes Material, das sich sowohl gegen das Salbeigrün auf der einen Seite als auch gegen das rohe Holz auf der anderen behauptet. Messinglaminat an der Sockelblende ist das einzige Metall. Die Bar funktioniert als Servicestation und als Drehpunkt: Wer dort steht, hat beide Räume zur Verfügung, ohne dass einer dominiert.


Der Wintergarten ist 52,3 Quadratmeter groß und ein völlig anderer Raum. Sichtbare Holzbalken steigen im Firstpunkt auf 374 Zentimeter. Die Farbe kam während der Renovierung ab, und frisches Öl kam drauf, sodass sich die Konstruktion wieder als Holz liest. Siebenundsechzig Meter Lichterkettenkabel tragen 70 Glühbirnen über das Volumen. Dieser Lichterhimmel ist es, der ihn im Februar wie eine Gartenparty wirken lässt. Die Sitzbänke laufen am Rand entlang, ausgerichtet auf raumhohe Verglasung und die Landschaft dahinter, was die Kujawy-Landschaft mit dem Essen auf den Tisch bringt. Blickt man durch die Bar zurück, ist der Hauptsaal noch da, nah, aber nicht derselbe Raum.



Aus der Nähe zeigt das Terrazzo sein Aggregat und seine Farbe. Es ist die am meisten fertiggestellte Oberfläche im Gebäude, weshalb die Bar die Mitte hält. Eine Opalglas-Pendelleuchte hängt darüber.

Der 3D-Plan aus der Vogelperspektive zeigt alle 144,5 Quadratmeter auf einmal: Hauptspeisesaal, Bar, Wintergarten. Von oben ist es die Geometrie des Holzdachs, die die beiden Speisevolumen unterscheidet. Der Ausführungsplan im Maßstab 1:50 trägt die Wandpositionen, die Versorgungswege und die Deckenhöhen, 310 Zentimeter im Hauptsaal und 374 am First des Wintergartens. Zwei Terrazzomuster halten fest, welches Aggregat für die Bartheke und die Bodenakzente in Betracht gezogen wurde.