
P. Ramus Private House
Architektur, Innenarchitektur
Patryck Ramus ist seit sechs Jahren Kunde, länger als jeder andere, über Restaurant- und Wohnprojekte hinweg. Als er sein eigenes Familienhaus wollte, kam diese Geschichte mit. Er war kein Auftraggeber, der fragte, was ein Haus sein könnte. Er hatte genug von der Arbeit des Studios gesehen, um zu wissen, was ihn erwartet. Das Grundstück ist Niemcz Nr. 8, ein halbländliches Dorf in der Gemeinde Osielsko am Rand von Bydgoszcz, alter Baumbestand, Häuser mit viel Abstand zueinander, Wasser in der Nähe. Das Haus ist eine zeitgenössische Lesart der polnischen Stodola-Scheune auf einem 1.544 Quadratmeter großen Grundstück, entworfen 2019 und gebaut.
Die Form kommt aus der Region. Ein steiler symmetrischer Giebel in dunklem Metall ist die landwirtschaftliche Scheune Nordpolens, und die Materialien halten daran fest: anthrazitfarbene Stehfalzdeckung, warmes Holz an den unteren Wänden, ein klarer Sockel an der Basis. So wird in der kujawisch-pommerschen Landschaft gebaut. Das Haus argumentiert, dass eine alte Silhouette und ein modernes Leben kein Widerspruch sind. Das eine setzt das andere fort.

Das Gebäude besteht aus zwei Baukörpern: einem giebelständigen Hauptbaukörper mit zwei Geschossen und einem seitlich angesetzten Flachdachflügel, die zusammen einen L-förmigen Grundriss um eine rückwärtige Terrasse bilden. Ein steiler symmetrischer Giebel mit anthrazitfarbener Stehfalzdeckung reicht bis zur vollen Firsthöhe, seine Neigung deutlich genug, um eher als gestalterische Geste denn als Antwort auf das Klima zu wirken. Die Giebelenden zeigen sich als markante, monolithische dunkle Flächen mit schmalen vertikalen Fenstereinschnitten. Unterhalb des Dachs umschließt eine Holzverkleidung den unteren Teil. Eine dunkle Stahlpergola mit Lamellendach überdeckt die rückwärtige Terrasse. Ihr rhythmisches Schattenspiel macht den Außenraum zu einer Fortsetzung des Innenraum-Vokabulars.





Im Inneren spielt sich alles im doppelgeschossigen Wohnraum ab, der über die volle Firsthöhe des Giebels reicht. Eine offene Eichentreppe mit Glasbrüstung führt an einer Wand hinauf, und weil man hindurchsieht, bleibt der Raum über und unter der Galerie als Ganzes erhalten. Durchgehend Eichenparkett im Fischgrätmuster. Die Küche ist eine dunkle anthrazitfarbene Insel mit heller Steinarbeitsplatte und in die Arbeitsplatte integrierter Absaugung, sodass nichts von der Decke zwischen einem und dem Esstisch hängt. Eine Trennwand im Crittall-Stil aus schwarzem Stahl und Glas schließt das Arbeitszimmer ab, ohne es abzuschließen: Man sieht hindurch, man hört nicht hindurch.



Das grüne Marmorbad ist der lauteste Raum im Haus. Stark geädertes grünes Gestein bedeckt alles, Wände, Boden, Duschkabine, vom Boden bis zur Decke. Die Strategie ist Sättigung. Gegen all diesen Stein stehen nur zwei Objekte: eine wandmontierte Messingarmatur und ein schwebender Waschtisch mit offenem Stauraum. Das Hauptschlafzimmer macht das Gegenteil. Ein raumbreites Kopfteil aus Nussbaum mit eingebauten Nachttischregalen, warme neutrale Bettwäsche und eine Palette, die nach dem Marmor im Erdgeschoss ruhig bleibt.


Im Erdgeschoss gibt es außerdem einen Wellnessbereich: eine Saunakabine mit vertikaler Holzlattung hinter einer vollverglasten Tür mit Stahlrahmen, die von einem Spa-Vorraum mit Fliesen in Betonoptik abgeht. Das ist der Punkt, an dem das Programm aufhört, nur ein Familienhaus zu sein.

Das Ansichten-Konzeptblatt zeigt alle vier Seiten des Hauses, Rückseite, links, Vorderseite und rechts, und legt fest, wie der dunkle Stehfalzgiebel, der holzverkleidete untere Baukörper, der Flachdach-Garagenflügel und die Stahlpergola zueinander stehen.